Ich suche die Frage, du fragst nach den Anworten.

September 15, 2009

Was will ich eigentlich? Kann mir das mal jemand verraten? Ich bin nicht wie die. Ich will auch nicht so sein. Ich will aber genau das, was die haben. Aber was haben die? Ich weiß es nicht. Und das ist das beschissenste, was es gibt. Ich will, dass alles anders wird, aber es ist doch gut so, was soll ich schon ändern? Was kann ich schon ändern? Was habe ich denn, was ich ändern könnte?

Für den weißen Gartenzaun bin ich zu jung. Für die große Karriere auch. Die will ich auch gar nicht.

Ich will machen, was mir Spaß macht, aber ich weiß nicht, was das ist. Ich will machen, was ich gut kann, aber das gibt es nicht. Ich will machen, was auch dir gefällt, aber wer bist du? Ich will dahin, wo ich mich gut fühle, aber wo ist das? Ich will, dass du mich magst, aber wann merkst du das endlich? Ich will Liebe und lieben, aber was ist das? Ich will mich gut fühlen, aber wofür? Ich will mich schlecht fühlen, aber wofür? Ich will fühlen, aber wozu? Ich will wissen, was ich will, aber wie? Ich will mich abheben, aber wovon? Ich will so sein wie die, aber wer sind die?

Diese dämliche no-future-Generation! Ohne, dass ich von ihr wusste hat sie mich gepackt, mich infiziert, und nun komme ich da nicht mehr raus. Jede Deadline wird verlängert bis es nicht mehr geht. Alles wird im letztmöglichen Moment erledigt. Und wenn es dann nicht gereicht hat, dann mache ich nicht das beste daraus, sondern finde mich damit ab, dass es nicht geklappt hat.
Aus den Boxen des Heartbreak Hotels, quasi der Endstation für jeden in dieser Stadt, der tragischsten, schönsten, romantischsten und jämmerlichsten Kneipe dieser Stadt, schreit es gerade: „it’s a nice day to start again“. Bezeichnenderweise läuft direkt danach „girls just wanna have fun“. Genau dazwischen schwanke ich. Ein toller Beweis dafür, dass das einzig Gute, das einzig Sinnvolle in meinem Leben Musik ist. Mein Stichwort!

„Hier steht auf einmal ein Sprungbrett. Soll ich jetzt springen, oder was?“ (Gisbert zu Knyphausen – Flugangst)
Aber ja! Warum machst du es denn nicht?


„ich weiß ziemlich genau was ich bin, aber nicht wo das hinwill“ (Gisbert zu Knyphausen – Der Blick in deinen Augen)

„I am the stain, you are the shirt“ (Annalena Bludau – I am the stain)
Wer will das schon?

„Wo führt das hin? Wann hört das auf? Wie nimmt das Schicksal seinen Lauf?“ (Beatsteaks – Fragen)

„die falschen Bücher im Schrank / du bist studiert und frustriert / bis zum Grunde deines Glases völlig emanzibiert“ (Boxhamsters – Beende deine Jugend)

Und wenn ich damit auf die Fresse falle? Naja:

„A kiss with the fist is better than none“ (Florence + The Machine – Kiss With The Fist)

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9 Antworten to “Ich suche die Frage, du fragst nach den Anworten.”

  1. Martin said

    du hast jederzeit die möglichkeit aus der nofuture blase in die nufuture wolke aufzusteigen. aber auch dort gibt es genug platz zum kaputt machen. es muss ja nicht gleich alles sein. hier und dort nein sagen um dem danach eine chance zu geben. du schaffst das schon!

  2. Jonas said

    Schöner Artikel. Habe ihn mal zum Anlass genommen, deinen Feed zu abonnieren.

  3. lia.R said

    Sehr schöner Text. Du beschreibst dieses Gefühl exakt. Und das allerletzte Songzitat ist ja schon fast philosophisch. Ich hab’s mir total oldschoolmäßig auf ein analoges Stück Papier geschrieben.

  4. Es ist durchaus möglich, einmal probeweise das Gegenteil von dem zu versuchen, was man gerade tut (z.B. das was die tun). Am Ende ist man doch die gleich Person geblieben, hat aber dazugelernt.

  5. Nightly said

    Das Gefühl kenne ich. Nur dass ich inzwischen alt (fast 30!) bin und eine Karriere habe und bestimmt auch demnächst einen Gartenzaun.

    Allerdings weiß ich immer noch nicht, was ich eigentlich will und was das alles soll.

    Das Leben, das wir erstmal so leben, bis wir die entscheidenden Antworten gefunden haben, wählen wir nicht bewusst genug.

  6. Pascal said

    Toll. Wirklich schön geschrieben. Kenne das genau umgekehrt. Ich weiß genau was ich will und bekomme es nicht. Und man rackert sich ab, tut und macht, aber das Ziel kommt einfach nicht näher. Und dann denkt man sich: Weitermachen. Kämpfen. Aber es wird nix.

    Frage mich was nun besser ist. Die Faust habe wohl eher ich im Gesicht.

  7. Rock said

    immer wieder angenehm wenn man daran erinnert wird das man mit diesem Gefühl nicht alleine ist

  8. hophnung said

    ich bin 33. das gefühl wie deins ändert sich nie. die nofuture-generation hat jede generation in sich. aber irgendwann will man die karriere und den ganzen blödsinn. und wenn man ein deadline-rausstreck-typ ist so wie du (und so wie ich) dann bleibt das auch so 😉

  9. Kat said

    Hab gerade ein Dejavu – Sonntag und meine Tochter(21) – ähnliche Worte 😉 muss wohl am Wetter liegen oder bist Du Fisch? Davon ab stimme ich @hophnung energisch zu – ich hab alle paar Monate ne Krise(dass seit 46 Jahren) und vor allem wenn mich deadlines drängen:
    „I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by.“
    Douglas Adams

    Grüssli von Kat
    far far away from Hamburghome

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